Planungshilfe 7: Begegnungen – Treffen in der Mitte zwischen zwei Kulturen

Ob Reisen zur Kultur- und Völkerverständigung beiträgt oder eher zur Zementierung von Vorurteilen, hängt davon ab, wie weit sich Reisende und im Urlaubsgebiet Ansässige überhaupt auf Begegnungen einlassen.

Sie sind an den Menschen des Urlaubsgebietes interessiert und möchten ihnen auf authentische Weise begegnen.

Zur Planung schlagen wir Ihnen vor, sich gleich hier und jetzt auf ein paar Gedanken und Anregungen einzulassen.

„Wir neigen meist dazu, zunächst Fremdes auf uns bereits Bekanntes zurückzuführen“, schreibt Eva Maria Bäcker in „Bienvenue en Afrique – interkulturelle Kompetenz für Gabun“  – ihrem sehr empfehlenswerten Führer durch die Fallstricke der Verständigung zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise…

Weiter zum Artikel vom 4.09.2017 von Nina Sahdeva, fairunterwegs-Redaktion

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Albert Schweitzer’s Lambaréné

20130726_083307Le Grand Docteur – Albert Schweitzer

Sohn eines Pfarrers, Philosoph, Theologe, Orgelspieler, Universitätsprofessor, Arzt, Friedensnobelpreisträger, Ehemann und Vater – das Leben und Werk von Albert Schweitzer kann kaum in einem Satz zusammengefasst werden. Vielen Menschen ist Albert Schweitzer  als der „Urwalddoktor“ in Erinnerung, der im letzten Jahrhundert in Französisch-Äquatorialafrika, dem heutigen Gabun, unter schwierigen Bedingungen im Regenwald ein Krankenhaus für die Bevölkerung gründete. Damit setzte er nicht nur ein Zeichen der Humanität, sondern er versuchte sein Leben lang, eine Möglichkeit zu finden, wie der Mensch gegenüber seinem eigenen Leben und gleichzeitig auch gegenüber anderen Lebensformen gerecht werden könnte.

20130723_110913Seit einigen Jahren bin ich aktives Mitglied im Deutschen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V., der das Spital in Gabun und viele soziale Projekte unterstützt. Weiter…

Lesung beim Afrikatag in Köln 2016

Unsere Lesung und unser Stand waren beim Afrikatag sehr gut besucht. Viele bekannte, aber auch neue Gesichter diskutierten eifrig am EDDA-Stand rund um das Thema “Afrika”.

Eva hat das Kapitel “Mit dem Schnellboot nach Lambaréné” aus dem Buch “Bienvenue en Afrique – interkulturelle Kompetenz für Gabun” gelesen. Justine trug das Kapitel “A Childhood in Uganda” aus dem englischen Teil von “Welcome to Africa – interkulturelle Kompetenz für Uganda” vor.

Hier einige Impressionen:

Auf den Spuren Albert Schweitzers – Mit dem Schnellboot nach Lambaréné

(Auszug aus dem Buch „Bienvenue en Afrique – Interkulturelle Kompetenz für Gabun, Traugott Bautz Verlag)

P1220649 (2)„Das ist Afrika!“

Tim Hoffmann nimmt einen tiefen Atemzug. Er fährt seit Stunden an grünen blickdichten Wänden aus Blättern vorbei. Begeistert erlebt er auf seiner Bootsfahrt den Ogowe stromaufwärts einen nahezu unveränderten Anblick der wunderbaren Landschaft, die der Theologe, Philosoph und Urwaldarzt Albert Schweitzer im Jahr 1913 fast genauso erlebte. Tim kann die Stellen kaum ausmachen, an denen der Fluss endet und das Ufer beginnt. Der vermeintlich vorsintflutliche Regenwald vermischt sich mit dem Wasser und scheint mit seinen Blättern und einem mit Lianen mit ihren großen weißen Blüten überdeckten Wurzelwerk in den Fluss hineinzuwachsen. Der Deutsche meint das Geschrei von Affen bis zum Boot hören zu können.

In seinem Projekt auf der Raffinerie in Port-Gentil ist mittlerweile Routine eingekehrt, und Tim bleiben bis zu seinem Abschlussmeeting in Libreville noch vier freie Tage zur Verfügung. Dann wird er wieder von dort aus nach Frankfurt fliegen. Carline regte an, anstatt jetzt schon von Port-Gentil nach Libreville zurückzukehren, noch einen Abstecher mit dem Schnellboot „Miradore“ nach Lambaréné in das Albert-Schweitzer-Spital vorzunehmen. Da es kein Straßennetz von Port-Gentil nach Libreville gibt und Tim sowieso per Fähre oder Flugzeug nach Libreville zurückkehren müsste, begrüßt der Deutsche die Idee des Umweges und bucht sich ein Ticket für das Boot nach Lambaréné. Mit dem Bus oder Taxi würde die Fahrt von Port-Gentil aus eineinhalb Tage dauern, mit dem Schnellboot hingegen nur zehn Stunden. Wobei sein Schiff dann tatsächlich zwölf Stunden für die Fahrt stromaufwärts benötigt.

Als Tim in seinem Rucksack nach dem Ticket sucht, fällt ein Blatt heraus: eine weitere Kohlezeichnung von Carline, die sie ihm heimlich zugesteckt hatte. Angefertigt auf ihrem Motorbootausflug auf dem Ogowe vor zwei Monaten, als sie das kleine Boot zu lenken versuchte – was ihr nicht gelang. Tim plant, eine Nacht in Lambaréné zu bleiben, das Spital zu besichtigen und dann mit dem Bus über die Nationalstraße Nr. 1[ zurück ins 230 Kilometer entfernte Libreville zu reisen. Damit würde er auch das erste Mal den Äquator auf dem Landweg überqueren, bisher hatte er ihn nur von Libreville nach Port-Gentil überflogen.Luftaufnahme YAB_2009-10 Carline erzählte Tim, dass Besucher direkt auf dem Spitalgelände wohnen könnten, es stünden Gästezimmer zur Verfügung. So rief Tim gestern im Spital an, in der ihm die freundliche Bérénice Auskunft über die Möglichkeiten der Unterbringung gab und ihm schließlich ein Zimmer in der Case Bouka anbot. Das Mehrbettzimmer in einem der drei Gästehäuser im historischen Klinikteil sollte umgerechnet nur zehn Euro kosten. Tim hätte auch ein Einzelzimmer reservieren können, aber ihm war der Gedanke, neue Bekanntschaften zu machen, ganz angenehm. Die meisten Touristen in Lambaréné ziehen es vor, nicht im Hotel in der Stadt zu übernachten, sondern im Spital zu wohnen. Der Deutsche passiert auf seiner Ogowefahrt viele Stationen, an denen auch Albert Schweitzer vorbeigefahren ist, wie beispielweise die ehemalige Missionsstation Ngomo, von der der Urwalddoktor Holz bezogen hat. Das Holz wurde von dort mit dem Schleppkahn weiter den Strom hoch zum Spital gebracht. Als Tim an verschiedenen kleinen Inseln im Ogowe vorbeifährt, erzählt ihm ein Mitreisender, dass Albert Schweitzer an einer ähnlichen Insel beim Anblick einer Flusspferdmutter mit ihren Kälbern seine lebensprägende Ethik Ehrfurcht vor dem Leben ins Bewusstsein gekommen sei.

Albert Schweitzer war der Ansicht, dass die Menschen sich durch die Ehrfurcht vor dem Leben tiefgründig zu einer bewussteren Verantwortung für alles Leben auf der Erde verändern würden. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist als menschliche Grundhaltung interpretierbar, aus der sich die Erkenntnis für das Gute und moralische Prinzipien erst gewinnen lassen. Schweitzer erweiterte sein weitreichendes Konzept der Ethik um den Aspekt der Natur und betonte die Umsetzung des guten Handelns in die Tat. Daher bedeutet die Ehrfurcht vor dem Leben viel mehr als ein abstraktes Konzept für moralisch richtiges Handeln, denn praktisch angewendet kann sie als Kompass für das reflektierte Erkennen des jeweils moralisch Richtigen für jeden selber dienen.

Albert Schweitzer schrieb 1915: „Auf einer Sandbank, zur Linken, wanderten vier Nilpferde mit ihren Jungen in derselben Richtung wie wir. Da kam ich, in meiner großen Müdigkeit und Verzagtheit plötzlich auf das Wort ‚Ehrfurcht vor dem Leben’, das ich, soviel ich weiß, nie gehört und nie gelesen hatte. Alsbald begriff ich, dass es die Lösung des Problems, mit dem ich mich abquälte, in sich trug. Es ging mir auf, dass die Ethik, die nur mit unserem Verhältnis zu den anderen Menschen zu tun hat, unvollständig ist und darum nicht die völlige Energie besitzen kann. Solches vermag nur die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Durch sie kommen wir dazu, nicht nur mit Menschen, sondern mit aller in unserem Bereich befindlichen Kreatur in Beziehung zu stehen und mit ihrem Schicksal beschäftigt zu sein, um zu vermeiden, sie zu schädigen, und entschlossen zu sein, ihnen in ihrer Not beizustehen, soweit wir es vermögen. […] Ich konnte es nicht fassen, dass mir der Weg zur tieferen und stärkeren Ethik, den ich vergebens gesucht hatte, wie im Traum offenbar geworden war.

„Jetzt ist’s wirklich Afrika“, staunte Albert Schweitzer tiefberührt vor 100 Jahren auf der Fahrt mit dem Flussdampfer „Alembe“ stromaufwärts nach Lambaréné (ders. 1995, Seite 27). Später fuhr er in einer Piroge weiter, einem Boot, das aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestand. Diese flachen und sehr schmal gebauten Kanus wurden von Ruderern stehend mit einem langen, frei in der Hand geführten Paddel gesteuert, was die Piroge bei der geringsten Bewegung schnell aus dem Gleichgewicht kommen ließ.

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TV Tipp: „Halbgott im Tropenwald. Das Lambarene Albert Schweitzers“

Liebe Albert-Schweitzer-Freunde,

hier die SENDETERMINE zu der gerade in Gabun gedrehten Dokumentation:

  •  Sonntag, 28. 09.2014, 10:00 Uhr, SRF 1
  •  Montag, 29.09.2014 / Dienstag, 30.09.2014, 00.00 Uhr, ARD
  •  Dienstag, 30.09.2014, 04:45 Uhr, ARD
  •  Dienstag, 30. 09.2014, 11:00 Uhr, SRF info
  •  Mittwoch, 01.10.2014, 07:45 tagesschau24
  •  Freitag, 03.10.2014,  21:02 tagesschau24
  •  Samstag, 04. 10.2014, 7:45 Uhr, SRF info
  •  Sonntag,  05.10.2014, 18:30 tagesschau24

Ebenfalls am 29.9.14 wird im 3sat um 20:15 20:15 Uhr „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika – D/ZA 2009“ gezeigt.